Fragebogen an Moustafa El
Kady in der Badische Zeitung vom Juni 2006
WIEHRE (ckb). 1992 kam der Äqypter Moustafa El
Kady (39) zum Germanistikstudium nach Deutschland – und
wurde hier heimisch. Hier schloss er sein Studium ab,
hier lernte er seine jetzige Ehefrau kennen, und seit
gut zwei Jahren führt er in der Talstraße
ein Reiseveranstalter-Büro für Begegnungsreisen
in den Orient (www.bruecke-reisen.de).
Sie sind gerade mit 17 Freiburgern von einer Reise nach
Isfahan zurückgekommen. Wie war’s?
Wunderschön, sehr friedlich. Meistens sind die Reisen
ja gerade dann sicher, wenn durch die Medien Angst verbreitet
wird, dann wird man von den Einheimischen noch wärmer
empfangen. Viel diskutierte Themen wie Kleidungsvorschriften
für Frauen sind sowieso Nebensache. Die Iraner sind
eigentlich ein friedvolles Volk und lieben die Europäer.
Haben Ihre Reiseteilnehmer keine Angst?
Nein, die Freiburger wissen gut Bescheid über politische
Zusammenhänge. Falls doch ein zu großes Risiko
bestünde, könnte man die Reise natürlich
kostenfrei stornieren. Insgesamt ist mein spezielles
Anliegen, Dialog mit den Einheimischen zu ermöglichen.
Natürlich schauen wir in Ägypten die Pyramiden
an, gehen aber auch zum Abendessen in eine ägyptische
Familie, sprechen mit den Leuten, sehen, wie sie ihre
Religion praktizieren usw.
Wie viele Sprachen sprechen Sie?
Englisch, Französisch, Holländisch, Deutsch,
Arabisch.
Was finden Sie auch nach 14 Jahren verrückt an den
Deutschen?
Immer wieder fällt mir auf, dass zuviel Ordnung
Chaos produziert. Eine kleine Programmänderung auf
einer Reise – und die Deutschen werden unruhig.
Die Flexibilität, die im Job ständig verlangt
wird, fehlt im Alltag.
Was wollten Sie als Kind werden?
Profi-Fußballer oder Arzt
Was ist Ihr Lieblingsplatz in Freiburg?
Der Holbeinplatz mit dem Pferd (ich habe drei Jahre
dort gewohnt).
Ihr Lieblingsessen?
Spätzle oder Kartoffelsalat
Ihr Lieblingslokal in Freiburg?
Früher war es mal das „Arabesque“. Heute
der „Biokeller“.
Ihr Lieblingsfach in der Schule?
Sprachen, Geschichte, Geographie
Wann waren Sie zuletzt in der Kirche?
Vor etwa vier Wochen. Ich selbst bin Moslem,
gehe aber auch oft in die christliche Kirche – zu Taufen,
Hochzeiten, aber auch zu Konzerten. Kirche ist für
mich auch ein Platz für Ruhe und Besinnung.
Worüber können Sie herzhaft lachen?
Am meisten muss ich lachen, wenn ich höre, wie Kinder
lachen.
Was machen Sie gerne in Ihrer Freizeit?
Wie entspannen Sie?
Ich gehe meiner Tätigkeit als Fußball-Schiedsrichter
nach; in Ägypten war ich Fast-Profi-Spieler, hier
bin ich seit 1997 wenigstens Schiedsrichter. Oder ich
gehe mit meiner Frau spazieren.
Was lesen Sie gerade?
Momentan vor allem über den Iran, seine Geschichte
und seine wirtschaftliche Lage.
Wann waren Sie das letzte Mal im Kino?
In welchem Film?
Eigentlich wollte ich letzte Woche gehen,
das hat leider nicht geklappt. Ich war
im Kino
vor zwei
Jahren, weiß aber
nicht mehr, in welchem Film. An „Das Leben ist
schön“ kann ich mich erinnern, das ist noch
länger her.
Welche Musik hören Sie gerne?
Eher klassische
Wovor haben Sie Angst?
Davor, etwas zu verpassen, im Alltag zu
wenig Zeit für
sich zu haben – die Zeit vergeht so schnell…
Haben Sie ein Vorbild?
Als Erwachsener bin ich von so genannten
Idolen oder Vorbildern eher enttäuscht.
Eine gewisse Vorbildfunktion hat Dr. Abu
El Aish
Gibt es eine Eigenart, die Sie lieber nicht
hätten?
Immer perfekt sein zu wollen, das kann
einen schon verrückt
machen
Welche Eigenschaften schätzen Sie an anderen Menschen
am meisten?
Ehrlichkeit
Was bringt Sie auf die Palme?
Techno-Musik
Wo machen Sie gerne Urlaub?
In Griechenland, weil es Orientalisches
und Europäisches
verbindet
Wo würden Sie gerne leben?
In Ägypten oder Griechenland
Was war Ihr größter Erfolg?
Ein sehr gutes Abitur 1985; und mein Studium
und Abschluss in Deutschland
Was fehlt Ihnen zum vollkommenen Glück?
Zeit
Welche Schlagzeile würden Sie gerne einmal lesen?
„Keine Kriege mehr im Nahen und Mittleren Osten“ – dies
aus persönlichen und beruflichen
Gründen. Und
das ist sicher auch der Wunsch der
Leute dort.
Angenommen, Sie gewinnen bei Jauch
eine Million. Was machen Sie damit?
Einen Bio-Anbau in Ägypten anfangen, mit einer
großen
Farm für Tiere und Kinder
Was werden Sie in zehn Jahren machen?
Ich sitze irgendwo, wo ich mich für andere Menschen
einsetzen kann.
Bitte vervollständigen
Sie: Wenn ich Oberbürgermeister
von Freiburg wäre...
…
würde ich die Stadtmitte komplett für Fußgänger
reservieren. Und die Innenstadt von Bettlern und Pennern
frei machen – sie waren vor zwei Jahren nicht in
der Anzahl da und passen auch nicht zu Freiburg. |