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DIE BRÜCKE-Reisen - Begegnungen im Orient
DIE BRÜCKE-Reisen
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Begegnungsreisen im Orient
Reiseberichte

Eine Dokumentation der Ägypten-Studienreise der Evangelischen Hochschule Freiburg 2009

Der erste Tag, Samstag der 21. Februar 2009

Der erste Tag der Ägyptenreise wurde hauptsächlich von der Anreise sowie dem Hotelbezug bestimmt. So konnte die Reisegruppe planmäßig um 14.35 Uhr deutscher Zeit vom Flughafen Köln/Bonn abfliegen, um nach etwas mehr als vier Stunden Flug in der ägyptischen Hauptstadt Kairo anzukommen. Von dort erreichten wir nach einer weiteren Stunde Busfahrt unser sehr zentral gelegenes Hotel im Herzen von Kairo. Bereits auf dem Weg dorthin konnte man erste Eindrücke der völlig anderen Kultur und Lebensweise in Ägypten sammeln, wobei insbesondere die ägyptische Fahrweise und der Kairoer Feierabendverkehr zu beeindrucken wussten. Aber auch einige Hinweise auf die reiche Vergangenheit Ägyptens, wie zum Beispiel die Statue von Ibrahim Pascha, dem ältesten Sohn des Muhammad Ali konnten bereits bestaunt werden und wurden vom Reiseleiter Moustafa El Kady fachkundig erläutert.
Da der Tag nach der Ankunft im Hotel und dem Bezug der Zimmer schon sehr weit fortgeschritten war, wurden die noch verbleibenden Stunden zur freien Verfügung freigegeben, was die meisten der Reiseteilnehmer nutzen, auf eigene Faust die nähere Umgebung des Hotels zu erkunden.
Um den Einstieg in den Bericht etwas zu erleichtern, sollen im Folgenden nun noch einige grundlegende Informationen zum Reiseland Ägypten bzw. der Hauptstadt Kairo bereitgestellt werden, da diese Stadt nun für die nächsten vier Tage die Basis der Unternehmungen darstellen sollte.
Ä gypten hat ca. 80 Millionen Einwohner und liegt im nordöstlichen Afrika, wobei jedoch die Sinai-Halbinsel im Allgemeinen eher zu Asien gezählt wird. Ägypten ist flächenmäßig knapp dreimal so groß wie Deutschland und ist eine Präsidialrepublik mit der Amtssprache arabisch. Staatsreligion in Ägypten ist der Islam, dem in seiner sunnitischen Richtung auch ca. 90 % der Bevölkerung angehören. Es gibt jedoch auch eine große christliche Minderheit, insbesondere die Mitglieder der Koptischen Kirche, deren Anteil an der Bevölkerung laut Schätzungen ungefähr 10 % betragen soll.
Wie bereits angesprochen ist Kairo die Hauptstadt und zugleich auch größte Stadt Ägyptens. Mit ca. 8 Millionen offiziellen, aber in der Agglomeration wohl über 20 Millionen Einwohnern bildet es mit Lagos in Nigeria die größte Metropolregion Afrikas. Es ist das kulturelle, wirtschaftliche und politische Zentrum Ägyptens und der arabischen Welt. Wie auch das restliche Land profitiert es sehr von der Lage am längsten Fluss der Welt, dem Nil, da es in Kairo durch das warme und trockene Wüstenklima nur äußerst selten regnet.
Zusammenfassend bildet somit Kairo als bedeutendste Stadt Ägyptens einen optimalen Startpunkt für die Studienreise durch dieses äußerst interessante und spannende Land.

Der zweite Tag, Sonntag, der 22. Februar 2009top

Wir fahren mit unserem Reisebus durch die Stadt und erkennen schnell, dass es hier weder funktionierende Ampeln gibt noch die Einhaltung einer Straßenverkehrsordnung erwartet wird. Unser weißer Reisebus drängt sich durch die verstopften Straßen in Kairo. Um sich Platz zu machen, hupt der Busfahrer. Das fällt aber nicht weiter auf, denn in Kairo hupen alle Autofahrer. „Die Bremse und die Hupe müssen funktionieren, sonst ist man auf Kairos Straßen verloren“, erklärt uns unser Reiseleiter Moustafa El Kady. Die Autos, die rechts und links von uns fahren, wären zum größten Teil in Deutschland nicht mehr zugelassen. Wir erfahren, dass in Ägypten erst vor fünf Jahren der TÜV eingeführt worden war. Das heißt jedoch nicht, dass jeder ägyptische Kraftfahrzeughalter auch mit seinem Auto, Bus oder LKW zum TÜV geht.
Das Ziel unserer Fahrt durch Kairo ist die Deutsche Evangelische Oberschule (DEO) im Kairoer Stadtteil Giza. Dort haben wir einen Termin mit der Schulleitung, die sich aus einem Geschäftsführer und Rektor zusammensetzt, sowie dem evangelischen Pfarrer der evangelischen Auslandsgemeinde, die Träger der DEO ist und dem katholischen Pastoralreferenten. Es ist ein sonniger Tag und wir werden im Schulhof von Schulleiter Rupert Baab und Geschäftsführer Dr. Gerhard Ohlde in Empfang genommen und begrüßt. Herr Ohlde führt uns dann auf dem Schulgelände umher. Die Gründungsgeschichte der DEO, reicht mehr als 130 Jahre zurück. Im Jahre 1873 hatte die evangelische Gemeinde in Kairo die Trägerschaft für dieses Begegnungszentrum übernommen. Bei unserem Spaziergang über den Schulhof zeigt uns der Geschäftsführer neben dem schuleigenen Schwimmbad auch die neueste Errungenschaft: eine Photovoltaik-Anlage. Allerdings bleibt uns für die genaue Betrachtung der Anlage keine Zeit, lediglich von unten können wir sie sehen.
Obwohl gerade Unterrichtszeit ist, sehen wir auf der Rasenfläche hinter den Schulgebäuden einige Schüler Fußball spielen. Gleich neben dem Sportplatz befindet sich die Grundschule. Die Räumlichkeiten dafür sind ziemlich klein, gerade mal drei Container sind das. Herr Ohlde erklärt uns, dass die Schule längst aus allen Nähten platzt. Ursprünglich bot sie Raum für 800 Schülerinnen und Schüler, mittlerweile werden 1200 Schülerinnen und Schüler unterrichtet. Die Grundschule musste vor einigen Jahren aus dem Hauptgebäude ausgelagert werden und man verfolgte die Idee, im Freien zu unterricht. Da jedoch die Hitze im Sommer unerträglich wurde, hat man sich bald für eine Überdachung der Grundschulräumlichkeiten ausgesprochen. Doch auch das Blechdach bietet nicht die erwartende Kühlung – das können wir Studenten gut nachvollziehen. Der Schule steht außerdem ein Fuhrpark von 24 Bussen zur Verfügung, die die Kinder von zu Hause abholen und nach dem Unterricht oder Kindergarten auch wieder nach Hause bringen.
Plötzlich schrillt eine laute Glocke - das Pausenzeichen. Nachdem unser Rundgang über das Schulgelände beendet ist, werden wir in den Physiksaal gebracht, wo uns der Schulleiter Herr Baab zusammen mit dem evangelischen Pfarrer der Gemeinde vor Ort Dr. Frank van der Velden und dem katholischen Pastoralreferenten erwartet. Nachdem Herr Baab uns noch einmal begrüßt hat und die beiden Religionslehrer für evangelische und katholische Religion vorgestellt hat, ergreift Herr Schwendemann das Wort und bedankt sich für die Möglichkeit, die Schule zu besuchen. Der Schulleiter erklärt uns nun das Konzept der Schule:
Auf dem Grundstück sind drei Pädagogikeinrichtungen zu finden. Ein Kindergarten, eine Grundschule und ein Gymnasium. Hauptsächlich werden Kinder von Botschaftern oder anderen deutschen Familien aufgenommen, die für einen bestimmten Zeitraum mit ihrer Familie in Ägypten, Kairo, sind. Aber auch Kinder wohlhabender muslimischer Eltern können ihre Kinder auf diese Schule schicken. Die DEO arbeitet nach den Grundsätzen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Von der Bundesrepublik Deutschland wird sie als deutsche Auslandsschule und vom ägyptischen Erziehungsministerium als ausländische Privatschule anerkannt.
Die Lehrerinnen und Lehrer arbeiten nach dem baden-württembergischen Bildungsplan und die Abiturienten bekommen ihre Abschlussklausuren vom Kultusministerium aus Baden-Württemberg. Der Abschluss ist international anerkannt und ermöglicht ihnen so das Studium an einer Universität auf der ganzen Welt.
Eine Besonderheit der Schule besteht in ihrem Programm des kooperativen Religionsunterricht Christentum-Islam in der Oberstufe. Dabei werden die Schülerinnen und Schüler von einem Team aus christlichen und muslimischen Lehrkräften in deutscher Sprache unterrichtet. Die Lernenden sollen befähigt werden, aufgrund eines fundierten Fachwissens in einen Dialog zwischen den Religionen zu treten.
Der Pastoralreferent betont, dass es sich hierbei nicht um ein Projekt, sondern um einen fest eingerichteten Regelunterricht handelt. Christliche und muslimische Schülerinnen und Schüler sind verpflichtet an diesem Unterricht teilzunehmen, der jeweils drei Parallelklassen des 11. und 12. Jahrgangs umfasst. Seit 2001 wird dieser Unterricht auf Grundlage von Lehrplänen erteilt, die durch die KMK (Kultusministerkonferenz) genehmigt wurden. Der Unterricht findet im Umfang von zwei bis drei Wochenstunden statt. Er ist sogar abiturrelevant und es besteht die Möglichkeit zu einer mündlichen Abiturprüfung, die regelmäßig von etwa 20% der Abiturientinnen und Abiturienten wahrgenommen wird.
Von Herr van der Velden erfahren wir etwas über seine Arbeit als Pfarrer einer deutschen Auslandsgemeinde und der Grund, weswegen an der DEO sonntags unterrichtet wird.
„ In einem muslimischen Land müssen Christen für Änderungen offen sein“, sagt der evangelische Pfarrer. Vor einigen Jahren hatte sich die Schulleitung in Einbeziehung der christlichen und muslimischen Religionslehrer überlegt, wie der Schulalltag in Bezug auf den muslimischen Feiertag (Freitag) und dem christlichen Feiertag (Sonntag) gestaltet werden kann. Von Anfang an war klar, dass der Freitag grundsätzlich frei sein muss, da die Anzahl der muslimischen Schülerinnen und Schüler stetig anstieg. Der Vorschlag, freitags und sonntags schulfrei zu geben wurde, aufgrund der wirtschaftlichen Lage des Landes bald verworfen. Außerdem wollte man den Kindern ein Wochenende (zwei freie Tage), ähnlich wie in Deutschland, ermöglichen. So wurde ein Kompromiss geschlossen: Sonntags findet zwar Unterricht statt, aber er beginnt mit einem Gottesdienst.
Herr van der Velden berichtet weiter, dass es sehr schwer sei, Gemeindearbeit nach deutschen Standards in der Fremde umzusetzen. Schätzungsweise gehören etwa 6000 in Kairo lebende Christen zu der Gemeinde, doch nur 120 sind zahlende Mitglieder. (Das Prinzip der Mitgliedschaft zur Kirche im Ausland ist dem, der Freikirchen sehr ähnlich.)
Dazu kommt, dass die Gemeindemitglieder sehr verstreut leben, so dass Gottesdienste oft nicht von mehr als 15 bis 20 Leuten besucht werden. Deshalb werden nun neue Gottesdienstformen erarbeitet. Beispielsweise gab es in der Vergangenheit bereits Wüstengottesdienste an Freitagen, wo auch die Resonanz größer war. „Im Schnitt kommen dann 50 bis 60 Personen.“ Viele Familien nehmen so etwas dann auch zum Anlass, nach dem Gottesdienst einen Ausflug zu unternehmen.
Trotz der Schwierigkeiten im Ausland finden sich in der Gemeinde wesentliche Bestandteile aus deutscher Gemeindearbeit wieder. So gibt es auch den Konfirmandenunterricht, wie er in den meisten Gemeinden hier in Deutschland üblich ist: Einmal wöchentlich und auf ein Jahr beschränkt. Zum Abschluss seines Referats macht Herr van der Velden noch einmal deutlich, wie groß die Herausforderungen für Christen in einem muslimischen Land sind. Einerseits möchte man seine eigene Identität bewahren, aber gleichzeitig muss man auch Verständnis für die andere Religion und Gesellschaftsordnung aufzubringen.
Unser Besuch in der DEO dauert etwa zwei Stunden. Danach geht unsere Fahrt mit dem Bus weiter nach Gizeh. Dort wollen wir die drei weltberühmten Pyramiden und den Taltempel des Chefren mit der Sphinx besichtigen.
Endlich sind wir da – die Pyramiden, das Wahrzeichen Ägyptens. Es ist überwältigend vor den großen Pyramiden zu stehen und die hohe architektonische Kunst der Pharaonenzeit live zu sehen. Schon von weitem können wir Pferderikschas, Kameltreiber und auf Kamelen sitzende Polizisten sehen. Freundliche „Touristenhelfer“ kommen auf uns zu und wollen beim Fotografieren behilflich sein. Schnell merken wir jedoch, dass sie das nicht umsonst machen. Für ihre angebotenen und in Anspruch genommenen Leistungen wollen sie auch entlohnt werden. Der ein oder andere von uns, der zum ersten Mal in Ägypten ist, verliert hier gut und gerne 20 bis 40 ägyptische Pfund.
Kurz darauf fahren wir mit dem Bus zur Chefren-Pyramide, die einige von uns auch begehen. Es ist eng und stickig darin. Man hat das Gefühl in den Tropen unterwegs zu sein. Die Spannung steigt mit jedem Schritt, den wir weiter in das Innere der Pyramide machen. Doch als wir in der Grabkammer ankommen, erwartet uns dort nichts als gähnende Leere und ein leeres Grab. Enttäuscht machen wir uns wieder auf den Rückweg.
Unsere Fahrt geht weiter zur Kleinsten der drei Pyramiden, zur Mykerinos-Pyramide und schließlich sehen wir die weltberühmte Sphinx. Majestätisch thront sie vor der Chefren-Pyramide und dem Taltempel des Chefren.
Nachdem auch hier wieder einige schöne Aufnahmen entstanden sind, treten wir unsere Fahrt zurück nach Kairo an. Vorbei an grünen Wiesen und Moscheen. Wir sehen Arbeiter, die sich auf ihren Eselskarren Richtung Liegestätte bewegen. Sie schienen ihren Feierabend verdient zu haben und auch wir sind froh, als wir nach einem eindrücklichen Tag endlich wieder im Hotel sind und uns ausruhen können. Am nächsten Tag wollen wir nämlich ins ägyptische Nationalmuseum und dafür brauchen wir viel Stehvermögen.

Protokollanten: Ann-Christin Casimir, Annika Fischer, Holger Nickel

Der dritte Tag, Montag der 23. Februar 2009top

Besuch des ägyptischen Nationalmuseums mit der reichhaltigsten Sammlung pharaonischer Kunstschätze
Das ägyptische Nationalmuseum ist eine von der ganzen Welt bewunderte Schatzkammer und gehört mit seinen mehr als 120.000 Ausstellungstücken altägyptischer Kunst zu den bedeutendsten der Welt. Obwohl nur Bruchstücke ausgestellt sind, ist es unmöglich, bei einem einzigen Besuch auch nur annähernd alles zu sehen. Schon, weil wir uns sehr lang im Untergeschoss aufhielten, konnten wir nur wenig sehen von dem im Obergeschoss ausstellten Kunstschätzen. Das Museum wurde im französischen Stil nach Plänen von Marcel Dourgnon erbaute und im Jahre 1902 eröffnet. Das neue große Gebäude löste das nach und nach viel zu klein gewordene 1858 von Auguste Mariette eröffnete Museum in Boulaq ab. Das Museum hat zwei Geschosse mit öffentlichen Ausstellungsräumen und einigen Studienräumen. Glanzstück der Ausstellung ist natürlich der Schatz des Pharaos Tutenchamun, der aus mehr als 3.500 Gegenständen besteht, von denen sich 1700 in den Ausstellungsräumen hier befinden. Der Rest befindet sich in den Magazinen von Kairo und Luxor. Am bedeutendste war für mich die vielfältige und reichhaltige Symbolik zu bestaunen. Exemplarisch möchte ich mich hier der Kreuzessymbolik näher widmen. Das Kreuz wird in der Literatur neben dem Punkt als wohl ältestes Zeichen überhaupt verstanden und wird in religiösen Traditionen häufig mit den vier Himmelsrichtungen der Erde, aufgerichtet mit der horizontalen Erde-Kontur und der vertikalen Erde-Mond-Verbindung assoziiert. So spannen diese 6 Himmelrichtungen das Orientierungsquadrat der Menschheit auf und spiegeln die elementare Verwurzelung in Zeit und Raum wieder, ohne die Menschsein nicht definierbar ist. Auch gibt es Deutungen, dass es sich bei den ägyptischen Pyramiden um ein Kreuz mit zum Himmel aufgerichtetem Kreuzpunkt handelt, also ein der Tat ein mehrdimensionales Kreuz. Im ägyptischen und dezidiert heute auch koptischen Kontext findet sich das Zeichen „Anch“. Das Anch (_), auch Anch-Kreuz oder ägyptisches Kreuz (Henkelkreuz, Lebensschleife, Nilschlüssel oder koptisches Kreuz) ein Ursymbol der altägyptischen Kultur, welches für das körperliche Leben, aber und auch für das Weiterleben im Jenseits steht. Interessant fand ich zu lesen, dass es eine alte ägyptische Darstellung gibt, in denen ein Gott das Zeichen Anch dem Pharao als Zeichen des Lebens überreicht. Dabei ist dieses Zeichen manchmal in der Nähe der Nase zu finden, um eine Verbindung zwischen Leben und Atem darzustellen. Als solcher auch in der christlichen Tradition das Synonym für den lebenspendenden Gottesatem (ruach). Das Anch-Zeichen war ein sehr populäres Symbol und wurde als Schutzamulett getragen um zerstörerische, lebensfeindliche Kräfte abzuhalten. Aber auch um die Regeneration des Körpers zu unterstützen. Das Anch existiert heute noch als Henkelkreuz in der koptischen Kirche. Er gilt eben auch, und das ist eine für mich wichtige Erkenntnis, als ein Vorläufer des christlichen Kreuzes, einem Lebenszeichen das Himmel und Erde, Leben und Tod, miteinander verbindet. (Göran Schmidt)

Gespräch mit den Scheichen in der Al Azhar-Moschee.
Eine besondere Begegnung im interreligiösen und interkulturellen Dialog war auch die Begegnung mit den Imamen in der Moschee. Sie erläuterten uns ihre Aufgabe, die vor allem im katechetischen Bereich zu finden waren. Es war sowohl theologischer Unterricht an Gymnasien, Frauenseminare über Kindererziehung und, besonders hervorgehoben auch; Frauenrechte in Ehe und Gesellschaft als auch im engeren Sinne das Auswendiglernens des Korans, ab einem Alter von 5 Jahren. Dies, so bekamen wir erläutert, vor allem nach dem Schema des: laut vorlesen, wiederholen, einzeln vortragen, üben und kontrollieren. Dies geschieht jeden 2.Tag á 90 Minuten pro Woche. Weitere Aufgaben, so sagten sie, bestehen im engen Dialog mit Papst Shenuda III, welchem der islamisch-christliche Dialog seit einigen Jahren in einer extra dafür gegründeten Abteilung, sehr am Herzen liegt. Auch kamen Unterschiede zum Christentum deutlich zu Sprache, wenn als Erstes auf das wesentlichste islamische Religions-Prinzip der „Unterwerfung unter Allah“ hingewiesen wurde. Auch war schnell der Bezug zum christlichen Trinitätsdogma gezogen und der Unterschied erläutert zum Islam der stets die „Einzigartigkeit Gottes in seinen Eigenschaften“ lehrt. Die offenbarungstheologische Linie, die den Islam schon seit Gründung begleitete ist, das „Gott Schrift“ wird, sich also manifestiert in dem heiligen Koran, der als solcher irrtumsfrei und eben göttlichen Ursprungs ist. Auch die endgültige Auslegung des Bilderverbots wurde uns näher gebracht, bei allen Führungen und Kunstbetrachtungen, aber auch beim Nachdenken über die Kalligraphie, die Kunst des „Schönschreibens“ von Hand, mit Federkiel, Pinsel, Tinte oder anderen Schreibutensilien.

Die Zitadelle von Salah-ad Din
Die Zitadelle wurde zwischen 1176 – 1183 als Trutzburg gegen die Kreuzfahrer von Sultan Salah-ad Din erbaut. Es gibt zahlreiche Mauern und Schießscharten. Von den Mauern der Zitadelle erstreckt sich die Millionenstadt Kairo. Das wichtigste Gebäude der Zitadelle ist die Alabastermoschee. Ihr Name begründet sich in dem Baumaterial. Die Moschee ist vollkommen mit Alabastermarmor vertäfelt. Die Zitadelle wurde 1823 durch eine Pulverexplosion zerstört. Mohamed Ali (König von Ägypten 1805-1848) ließ sie nicht wieder rekonstruieren sondern ließ Paläste und Moscheen bauen. Sie wurde 1830 fertig gestellt.
Zu der Moschee gehört ein großer Vorhof mit einem Brunnen, in dem sich die Gläubigen vor dem Gebet reinigen können. Die Minarette sind 82 m hoch, die Moscheenkuppel eine Höhe von 52 m. Eine weitere Besonderheit des Vorhofes ist der Turm. An diesem Turm ist eine Uhr befestigt. Sie ist ein Tauschgeschenk des französischen Königs Louis Phillipe gegen den Obelisken aus Luxor.
Der Innenraum ist außerhalb der Gebetszeiten für Touristen offen. Hierfür mussten wir und entsprechend kleiden. Die Schuhe mussten ausgezogen werden, die Frauen die Haare bedecken. Für uns Frauen eine neue Erfahrung. Diesen Respekt zu zollen wurde durch die eindrückliche Kunst im Innern sehr erleichtert. Als enttäuschend habe ich persönlich es empfunden, dass sich an diese Regeln nicht alle Touristen halten.
Im Innenraum hängen in kreisförmigen Mustern Leuchten von der Decke. Das Deckengewölbe war vollkommen mit Verziehrungen. Um das Bilderverbot zu achten, werden keine bildlichen Darstellungen von Menschen, Tieren oder gar Allah gezeigt. Die Muster waren geometrische Muster oder Schriftzüge, die Koranstellen rezitieren. Die Perfektion der Arbeit war beeindruckend. Der Boden ist vollständig mit Teppichboden ausgelegt. Der Boden ist mit dicken roten Teppichen belegt. Es gibt zwei Kanzeln, auch „Minbar“ genannt. Rechts vom Eingang befindet sich das Grab Muhammad Alis, der bereits 1849, also viele Jahre vor der Fertigstellung der Moschee verstarb. (Pia Schneider)

Ibn Tulum-Moschee
Die Moschee besteht aus einem großen Innenhof und Gebetsgängen. Die Innenseite des Innenhofes ist an der Mauer entlang mit paarweise angeordneten Rosetten verziert, die für sich als Paar jeweils einzigartig sind. Auf der Mauer der Moschee stehen gemauerte Gebilde, die Menschengestalt haben. Dies diente zur Abschreckung bei Unruhen. Von weitem wäre kein Unterschied zu sehen, ob dort auf der Mauer bewaffnete Menschen oder Steingebilde stehen.
Die Moschee wurde 879 n. Chr. Erbaut, an dem Ort, wo der Urvater Abraham seinen Sohn Ismael (für die Moslems Ismael, bei Christen und Juden Isaak) Allah/ Gott opfern sollte und die Vertrauensprüfung bestand. Das Minarett ist 41 Meter hoch, und ist für Touristen zugänglich. Hier, im Zentrum ist der Blick über die Nachbarschaft und auf das Leben in Kairo sehr eindrücklich. Vor allem die Wohnverhältnisse werden so sehr deutlich. Im Gegensatz zur restlichen Moschee, die aus Ziegeln erbaut wurde, ist das Minarett aus Kalk. (Pia Schneider)

Khan El Khalili
Khan El Khalili ist ein Basar. Er besteht seit dem 14. Jh. und ist er größte seiner Art in Afrika. Er ist im Zentrum der Altstadt von Kairo. Der Basar erstreckt sich über diverse Gassen und Straßen in Kairo. Hier werden Kleidung, Leuchten, Dekorationsartikel, Süßigkeiten, Pfeifen und Tücher angeboten. Die Händler sitzen vor ihren Ständen oder gegen direkt auf die Touristen zu. Die Preise werden laut ausgerufen und mit Waren geworben. Die enorme Auswahl und die Farbenpracht waren überwältigend. Für uns war vor allem die Verhandlung mit den Händlern neu. Es hat viel Spaß gemacht. Ob wir letztendlich angemessene Preise bezahlt haben, ist nicht klar. Aber die Atmosphäre ist toll. (Pia Schneider)

Der vierte Tag, Dienstag der 24. Februar 2009top

Tagesbericht
Schon früh am Morgen verließen wir unser Hotel in Kairo und machten uns auf die Reise durch das vielfältige Land. Die meiste Zeit dieses Tages verbrachten wir in dem Bus, da wir unser Ziel – das Katharinen Dorf – am Abend erreichen wollten.
Die ersten Stunden vergingen recht schnell mit Inputs von Reiseführer Mustafa und Professor Ritter. Abgesehen davon, dass wir uns, sobald Kairo hinter uns lag, direkt in der Wüste befanden, war eines der ersten „Highlights“ das Passieren des Suezkanals. Um auf die Sinaihalbinsel zu gelangen, mussten wir den gut bewachten Tunnel durchqueren.

Der Suezkanal
Der Suezkanal ist etwa 195 Kilometer lang. Die Mindestbreite der Kanalsohle misst 160 Meter. Schiffe bis zu 20 Meter Tiefgang und 150 000 Tonnen Gesamtgewicht können den Kanal passieren. Es gibt keine Schleusen, da der Kanal zwei Orte in Meereshöhe verbindet und dazwischen keine Erhebungen sind. In die Kanaltrasse wurden der Mensalesee, der Timsahsee und die Bitterseen (heute ein zusammenhängendes Gewässer) eingeplant. Der überwiegende Teil des Kanals ist auf eine einzige Fahrrinne mit mehreren Ausweichstellen beschränkt. Zweispurige Fahrrinnen befinden sich in den Bitterseen und zwischen El Kantara und Ismailia. Parallel zur gesamten Kanalstrecke verläuft am Westufer eine Eisenbahnlinie.
Dieser künstlich angelegte Wasserweg führt vom Mittelmeer über die Landenge von Sues zum Roten Meer. Der Sueskanal verbindet die zwei Hafenstädte Port Said und Sues miteinander. Er stellt die bedeutendste künstliche Wasserstraße im Weltwirtschaftsverkehr vor dem Ersten Weltkrieg dar und verkürzte den Seeweg von Europa nach Indien gegenüber der traditionellen Route um das afrikanische Kap der Guten Hoffnung etwa um ein Viertel.
Der 1869 eröffnete und von der französischen Suezkanal-Gesellschaft in einer zehnjährigen Bauzeit unter Leitung von Ferdinand de Lesseps (1805-1894) errichtet wordene Suezkanal diente in erster Linie dem Güter- und Personenverkehr.
Der Betrieb des Kanals war anfangs hochgradig unrentabel, so dass 1875 die Regierung von Großbritannien den ägyptischen Aktienanteil übernahm und erhielt damit entscheidenden Einfluss auf den Kanal. Der Widerstand in der Bevölkerung gegen den Einfluss der Briten führte zur Urabi-Bewegung, deren Niederschlagung (1882) die Besetzung Ägyptens durch Großbritannien zur Folge hatte.Die 1888 unterzeichnete völkerrechtliche Regelung garantierte die freie Durchfahrt für Schiffe aller Nationen in Kriegs- und Friedenszeiten. Großbritannien betrachtete aber den Kanal als lebenswichtig für die Aufrechterhaltung seiner Seemacht und Kolonialinteressen, vor allem für die Verbindung nach Indien. Durch die Bestimmungen des anglo-ägyptischen Vertrags von 1936 erwarb Großbritannien das Recht, Streitkräfte in der Suezkanalzone zu stationieren und übernahm damit die Kontrolle über die Kanalzugänge. Nach der Gründung des israelischen Staates in Palästina 1948 untersagte die ägyptische Regierung Schiffen von und nach Israel die meiste Zeit die Durchfahrt.
Ägyptische Nationalisten verlangten wiederholt, dass Großbritannien die Suezkanalzone verlassen solle. 1954 unterzeichneten die beiden Länder schließlich einen Vertrag mit siebenjähriger Laufzeit, der das Abkommen von 1936 ersetzte und den allmählichen Rückzug aller britischen Truppen aus der Kanalzone beinhaltete, was bis zum Juni 1956 geschehen war. Ägypten übernahm unter Präsident Nasser die britischen Anlagen und löste damit die Sueskrise aus. Am 29. Oktober 1956 griffen israelische, britische und französische Truppen Ägypten an. Durch das Eingreifen der UNO, der USA und der UdSSR wurde die Auseinandersetzung jedoch relativ rasch beendet und der Kriegsschauplatz bereits am 22. Dezember 1956 wieder geräumt. Versenkte Schiffe versperrten die Durchfahrt jedoch noch bis 1957. Im Sechstagekrieg rückte Israel am 9. Juni 1967 wieder bis zum Kanal und besetzte sein Ostufer vollständig. Der Kanal blieb für die Schifffahrt geschlossen und stellte von da an die Grenze zwischen Ägypten und Israel dar. Israel errichtete am Ostufer eine Verteidigungslinie. Im Jom-Kippur-Krieg wurde der Kanal am 6. Oktober 1973 von ägyptischen Truppen gestürmt und mittels neuartiger sowjetischer Pioniertechnik überwunden. Den Israelis gelang ebenfalls in einem Gegenangriff am 16. Oktober ein Brückenschlag über den Kanal. Am Kriegsende hatte sich Israel am Südwestufer festgesetzt, während die ägyptischen Armeen am Ostufer weitgehend eingeschlossen waren und drohten, aufgerieben zu werden. Gemäß dem Waffenstillstandsabkommen zogen sich die israelischen Truppen auf die Ostseite und von dort ein paar Kilometer weiter in den Sinai zurück. Der gesamte Kanal geriet so wieder vollständig unter ägyptische Kontrolle. Dies ermöglichte die Wiederöffnung des Kanals durch Ägypten im Juni 1975.

Mosequellen
Unsere Fahrt setzte sich entlang des Suez friedlich fort, bis wir einen kurzen Halt an den Mosesquellen einlegten. Die Mosesquellen befinden sich an einer kleinen fruchtbaren Oase. Hier soll Moses einst in die bitteren Quellen einen Zweig geworfen haben, woraufhin diese – mit Gottes Hilfe – süß und genießbar wurden. Mit dem Blick auf das Meer genossen wir hier einige schöne warme Minuten und stöberten bei den Schmuckangeboten der Beduinenfrauen.

Pharaonenquellen
Als angenehme Erfrischung fand ich den kurzen Aufenthalt an den Pharaonenquellen. Diese heißen Schwefelquellen boten uns die Möglichkeit, unsere Füße ins Wasser zu tauchen.

Griechisch-Orthodoxes Frauenkloster (Oase Feiran)
Nach einiger Zeit Weiterfahrt kamen wir in das Gebiet der Feiran Oase. Diese Oase hat mehrere Namen. Das Wadi Faran oder „Perle des Sinai“. Der Ort zieht sich über viele Kilometer durchs enge Tal und gilt als der fruchtbarste Platz des Sinai. Über riesig große Strecken sind Palmen zu erkennen. Hier befindet sich das griechisch-orthodoxe Frauenkloster, (dessen Namen mir unbekannt bleiben musste). Ob es „Kloster der sieben Mädchen“ oder „Deir Saghir“ benannt wurde bleibt für mich ein Rätsel. Es gehört aber zu dem berühmten Katharinenkloster am Sinai.
Als wir dort ankamen, wurden wir von einer griechisch-sprachigen Nonne empfangen. Professor Ritter nahm hier die Rolle des Übersetzers ein. Sie führte uns durch die wunderschönen Wege des Klostergeländes, bis zu der kleinen Moseskapelle, wo wir als Gruppe die Kirche komplett ausfüllten. Hier durften wir Kerzen anzünden und nach ihrem informativen Vortrag ein Choral singen. In dem Gartenbereich des Klosters waren Citrusfrüchte vom Anbau des Klosters käuflich zu erwerben.
Dies ist der geglaubte Ort, wo Moses einen Stock gegen einen Felsen schlug und Gott auf wunderbarer Art und weise Wasser daraus fließen lies. In dieser Gegend dieser Oase soll auch, laut biblischer Auskunft, eine Schlacht der Israeliten gegen die Amalikiter stattgefunden haben. Auf diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass hier im Laufe der Jahrhunderte sehr viele Pilger herkamen und Kirchen errichteten. Diese Ruinen sind teilweise noch verstreut zu finden. Einige sind aus dem 4. Jahrhundert datiert. Als Ganzes macht diese Wadi - Region eine sehr paradisische Atmosphäre und es ein sehr lohnenswertes Besichtigungsziel.
Nach einem ganzen Tag Busreise kamen wir abends in der Dunkelheit endlich im Katharinen Dorf an. Wir durften uns auf die bevorstehende Sinai-Nachtwanderung vorbereiten.

Der fünfte Tag, Mittwoch der 25. Februartop

Der Mosesberg, Sinai, Horeb
Gott spricht zu Moses: „Und sei morgen bereit, dass du früh auf den Berg Sinai steigst und dort zu mir trittst auf dem Gipfel des Berges ... Und Moses hieb zwei steinerne Tafeln zu, wie die ersten waren, und stand am Morgen früh auf und stieg auf den Berg Sinai, wie ihm der HERR geboten hatte, und nahm die zwei steinernen Tafeln in seine Hand…Und der HERR ging vor seinem Angesicht vorüber, und er rief aus: HERR, HERR, Gott, barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Gnade und Treue, der da Tausenden Gnade bewahrt und vergibt Missetat, Übertretung und Sünde, aber ungestraft lässt er niemand, sondern sucht die Missetat der Väter heim an Kindern und Kindeskindern bis ins dritte und vierte Glied! …Und Moses neigte sich eilends zur Erde und betete an“ (2.Mose 34, 2-8)
Unser Aufstieg begann am frühen Morgen um 01:30 Uhr ägyptischer Zeit, am Mittwoch den 25.Februar 2009. Nach einer kurze Nacht, während für einige vielleicht noch der gemeinsame Gottesdienst vom Abend zuvor, mit seinen Liedern und Gebeten, mit der gemeinsam im „Bibliolog“ geführten Predigt, nachklang, machten wir uns auf, an diesen besonderen Ort, dem seine Heiligkeit nicht auf den ersten Blick aber mindestens auf den Zweiten abzuspüren war. Langsam begann die Müdigkeit aus den Gliedern zu weichen und wir staunten über das Gewirr der vielen Geräusche und Stimmen, wohl ähnlich wie beim Turmbau zu Babel von dem wir uns am Abend erzählt hatten, staunten über die klirrende Kälte der Wüste, die verschiedenen Gerüche und vor allem über den tiefschwarzen Himmel der sich mit einem Heer von Sternen wie eine große Glocke über uns aufspannte. Hier waren sie zu sehen, die tausenden Sterne die den Psalmdichter ehrfurchtsvoll die Größe Gottes besingen lassen: „Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast: was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst“ (Psalm 8, 4f). Und los ging der Weg, nicht mutterseelenallein wie bei Moses, sondern gemeinsam mit hunderten von Pilgern, die sich mit uns den 2285 Meter hohe Berg hinaufschlängelten, um oben zu sein, wenn die Sonne aufgeht. Für Juden, Christen und Muslime ist der Berg ein heiliger Ort. Die Bibel und die Thora lehren, dass Gott auf dem Horeb, dem Berg Sinai, Moses die Zehn Gebote übergeben hat. Die Moslems glauben, das Pferd Buraq des Propheten Mohammed habe vor dem Himmelsritt aus Jerusalem seine Hufspuren auf den Gipfel des Gabal Mûsâ (auch Gabal Sînâ' ), so der arabische Name, gesetzt hat und eine Inschrift in Katharinenkloster belegt, dass schon um 100 v. Chr. die Nabatäer, eine Volk von einflussreichen Karawanenhändler, hier ein Wallfahrtsheiligtum, den Dschebel Mussa kannten.
Heute, wo jeder Pilger an seiner Taschenlampe deutlich zu erkennen ist und wo Beduinen auf ihren Kamelen den Pilgerstrom mit den Worten „Camel, Camel? You want a Camel?“ eskortieren, ist der Aufstieg nicht mehr ganz so beschwerlich wie damals, wenn auch wohl nicht unbedingt bequemer auf dem Rücken eines solchen Kamels. Seit dem Jahr 1850 gibt es zum Glück ja auch nicht mehr die rund 3750 Stufen, die bis dato den Aufstieg ermöglichten (sogenannte „Mosesstiege“ die ein Mönch im 6. Jahrhundert in den Berg hauen ließ.) sondern lediglich das letzte Stück ist nur noch über ca. 800 Stufen zu erreichen (sog. „Weg des Paschas“, vom ägyptischen Herrscher Abbas Pasha angelegt). Immer wieder halten Menschen inne, machen Pause, schnappen nach Luft oder trinken in einem der vielen gemütlichen Beduinenzelte einen Tee oder eine arabischen Kaffee und blicken erschöpft und erwartungsvoll nach oben, denn der Weg, die Kette von Lichtern, will kein Ende nehmen. Wenn man ungefähr zwei Drittel des Weges geschafft hat, trifft man auf eine erste biblische Stätte: Das Elias-Plateau, eine Senke, wo Moses damals seine Begleiter zurückgelassen haben soll. Hier stehen einige kleine Kapellen, darunter die aus Kalkstein erbaute Eliaskirche inmitten eines kleinen Tales mit einer grünen Ebene: der Garten des Propheten Elias. Hier soll der Überlieferung nach, dieser erstmals die Stimme Gottes vernommen haben - gut vorstellbar, denn vom Garten aus führt der Pfad durch die Stille des Hochsinais. Ist man dann endlich auf der Spitze des Mosesberges angekommen, entschädigt der Ausblick für die Strapazen des Aufstiegs. Vergessen sind die schmerzenden Glieder und die Kälte der Nacht, wenn die Sonne den Himmel langsam zu verfärben beginnt, erst ganz leicht in einem rötlich-violetten Streifen am Horizont und dann mit immer kraftvolleren Farben, mit der sie die Felsen zum Glühen bringt. Das Dunkle, und bedrohliche, aber auch das geheimnisvolle der Nacht weicht einem schimmernden Rot, und ein erleichtertes Aufatmen entfährt der noch frierende Menge, als der glutrote Feuerball den Horizont durchstößt und die Sonne in einer unvorstellbaren Geschwindigkeit den Tag für sich einnimmt. Man spürt die Wärme auf der Haut, Zufriedenheit und der eine oder andere kniet innerlich oder äußerlich nieder um Gott dafür zu danken. Man hört das klicken hunderte Photoapparate und einige trauen sich sogar, aus ihrer Decke heraus, die sie von einem Beduinen kurz vorher noch für ein paar Pounds gemietet hatten. Hier ist der Gipfel, an dem Moses mit allein sich war und Gott, der Ort an dem eine Begegnung stattfindet, aus der Moses nicht unverletzt hervorgeht, er ist gezeichnet, sein Gesicht glüht und leuchtet, ist verbrannt von der Heiligkeit des Höchsten. Gezeichnet war wohl auch Elijas dem Gott weder im Sturm noch im Erdbeben noch im Feuer begegnete, sondern in der unsichtbaren, leisen inneren Stimme, die den Propheten dann erneut zum Eingreifen in die reale Politik seines Volkes bewegt (vgl. 1 Kön 19). So verdichtet sich hier die Geschichte über Jahrtausende, atmet jeder Stein und jeder Gipfel die Geschichte Gottes mit seinen Menschen, in die, wie Gott sei Dank nach vielen solchen Begegnungen, nun wieder Bewegung hineinkommt. Der eine oder die andere kuckt sich schon auch noch einmal um, sieht am oberen Ende des Plateaus eine Kapelle („Kapelle der Heiligen Dreifaltigkeit“ - sie soll dort stehen, wo sich Gott dem Moses in einer Feuerwolke offenbarte) und eine kleine Moschee. Beide sind sie geschlossen wegen zu vielen Beschädigungen aufgrund des großen Andrangs an Pilgern und Touristen. Auch der wahrscheinlich wohl höchstgelegene Kiosk Ägyptens fällt ins Auge, in dem ein Beduine mit arabischen Keksen und Coladosen oder natürlich einem heißen Kaffee den Besuchern noch einmal Stärkung verspricht für ihren übernächtigten Körper, um sich auch von innen wieder aufzuwärmen und für den Rückweg auf Trab zu bringen… (Göran Schmidt, 26.März 2009).
Was wir beim Aufstieg nur schemenhaft sehen konnten, liegt nun in seiner altertümlichen Schönheit vor uns – das Katharinenkloster. Es ist ein orthodoxes monastisches Zentrum und bietet etwa 30 Mönchen ein zu Hause. Jedoch halten sich die Mönche von den Touristen fern, sodass wir keinen zu Gesicht bekommen. Die Geschichte des Klosters reicht bis ins 3. Jahrhundert zurück. Nachdem der byzantinische Herrscher Konstantin das Mönchtum den Status einer anerkannten Religion und Glaubensfreiheit in seinem ganzen Reich gewährte, erbaten die Eremiten den kaiserlichen Schutz der Helena, die Mutter Konstantins. St. Helena, wie sie von den Mönchen genannt wurde, ließ 330 n. Chr. eine kleine Kirche erbauen, die der Gottesmutter geweiht war. Um den Mönchen ein Zufluchtsort bieten zu können, wurde im Auftrag der Kaiserin ein Turm an der heiligen Stätte des Brennenden Dornbusch errichtet.
Im ,6. Jahrhundert ordnete Kaiser Justinian (527 – 565 n. Chr) den Bau einer Klosterfestung und einer prächtigen Kirche an. Dabei umschloss der Neubau die von Helena errichtet Kirche und den Turm. Wie schon seine Vorgängerin, ließ Justinian Kirche und Kloster der Gottesmutter weihen.

Das Kathrinenkloster
Der Name „Kathrinenkloster“ geht auf die Heilige Kathrina zurück, die 294 n. Chr. mit dem bürgerlichen Namen Dorothea in Alexandria geboren wurde. Die heidnische Akademikerin, die sich von Männern umschwärmen ließ, jedoch keinen heiratete, wurde von einem syrischen Mönch zum Christentum bekehrt. Von da an hieß sie Katharina. Die Christenverfolgung im 4. Jahrhundert unter dem Regenten Maximinus hielt sie nicht davon ab, sich öffentlich zu Jesus Christus zu bekennen. Sie beschuldigte sogar den Kaiser des Götzendienstes. Die Kritik an Maximinus blieb nicht ohne Folgen. Sie wurde auf grausame Weise gefoltert. Noch auf der Folterbank gelang es ihr jedoch, die kaiserliche Familie zu bekehren. Ihr Leichnam, der nach der Hinrichtung plötzlich verschwand, wurde der Überlieferung nach, von Engeln auf den Gipfel des höchsten Bergs im Sinai getragen. Einige Jahrhunderte später fanden Mönche, die einem Traum folgten, den Leichnam von Katharina auf dem Berg und brachten ihn in das Kloster, wo die Reliquie in ein goldenes Kästchen in einen Marmorsarg gelegt wurde. Noch heute befindet sich der Sarg in der Nähe des Heiligen Altars. Seit dem 11. Jahrhundert, nachdem Kreuzritter die Legende der Hl. Katharina in den Westen brachten, ist das Kloster nach der Heiligen benannt.
Als wir durch das enge Tor in der Klostermauer das Kloster betreten, fällt der erste Blick auf die große Kirche. Der Granitbau, in Form einer Basilika beherbergt mehrere Kapellen, die Heiligen geweiht sind. Hinter der Apsis befindet sich die Kapelle des Brennenden Dornbuschs. Ein besonderer Schatz können wir in der Apsis bewundern: das wundervolle Mosaik der Verklärung Jesu. Es stellt die Szene nach Matthäus 17, 2 dar: Jesus begegnet zusammen mit Petrus, Johannes und Jakobus den Propheten Moses und Elija. Am Rande des Mosaiks sind die neben der 12 Apostel und 12 Propheten außerdem noch der Abt Longinus, Hausherr des Klosters zur Zeit der Entstehung des Mosaiks und der Diakon Johannes dargestellt.
Wir treten aus dem kühlen Kirchenraum nach draußen und, können wir den ehemals brennenden Dornbusch, in dem Gott dem Moses erschien, sehen. Eine dicke Menschentraube drängt sich um das dornige Gestrüpp und wir hören das hektische Knipsen der Fotoapparate. Wir schenken dem Busch eine würdige Betrachtung und gehen dann weiter zum Mosesbrunnen. Der biblischen Schrift nach, soll Moses hier den Söhnen des Reguel geholfen habe, die Schafherde zu tränken und hat später seine Tochter Zippora zur Frau genommen.
Weitere Sehenswürdigkeiten sind die Ikonengalerie und Garten. Beides können wir jedoch aufgrund unseres Zeitplanes nicht anschauen, denn wir wollen in Kairo der Papstaudienz des Oberhaupts der koptischen Kirche beiwohnen. Und der Weg nach Kairo durch die Wüste und die sengende Hitze ist weit. (© Annika Fischer)

Papstaudienz
Viel zu verstopft waren die Straßen von Kairo und wir waren ohnehin viel zu spät dran – und konnten dabei von Glück sagen dass der Papst der Koptischen Kirche, Papst Shenouda III, Oberhaupt der koptisch Orthodoxen Kirche Ägyptens und seit 1917 117. amtierender Nachfolger des Heiligen Apostels Markus, nicht extra für uns eine Audienz gegeben hatte, sondern für die gesamte koptische Christenheit in Kairo Rede und Antwort stand. Als wir mit fünfundvierzig Minuten Verspätung die koptische Kirche betraten, wurden wir wie Staatsgäste durch die überfüllten Bankreihen nach vorn geführt, zu unseren „Ehrenplätzen“, wo wir fast perfekte Sicht hatten, auf den Papst und seine Bischöfe. So hineingestolpert in die offizielle Gesprächsstunde mit dem Papst bekamen wir auch schon die Kopfhörer gereicht, auf denen in brummiger schwer verständlicher englischen Sprache, all das übersetzt wurde, was wir ja nun so nicht verstanden. Während wir versuchten zuzuhören und dem einen oder anderen koptischer Gesang etwas von der ihm eigenen Heiligkeit und ihrer ursprünglichen Kraft abzugewinnen und diese auf uns - wohl befremdlich - wirken zu lassen, ließen wohl nicht wenige von uns ihre Blicke schweifen in dem Gotteshaus mit gigantischem Ausmaß. Hier war sie wieder zu sehen, die Ikonostase die wir schon kannten, die koptischen Kreuze und Symbole, die so viel mehr als in unserer protestantischen Tradition, Glaubenseinsichten zu verbildlichen vermögen und so etwas durchscheinen lassen von der viel größeren göttlichen Wahrheit, die sich dahinter verbirgt. Es war der Weihrauchduft zu riechen, der den Raum, für unsere Nasen fremd, ein besonders Gepräge gab. Man sah die Ikonen der Heiligen, den Prunk des Goldes, die Menschen, die zu hunderten in den Bänken saßen und verfolgten was der Papst und seine Bischöfe und was der Chor so fabrizierte. Es war an den vielen kleinen Dingen die hohe Wertschätzung der koptischen Kirche zu spüren, die Wertschätzung von heiligen Räumen und Plätzen, und dem einen oder anderen dürfen wohl die bärtigen Männer vorgekommen sein wie auf einem altertümlichen Gemälde von Rembrandt. Hier waren sie zum Greifen nah, die Patriarchen der koptischen Kirche und man konnte vielleicht auch nur erahnen, was das für die Gläubigen bedeutet, wenn sie hören, was der Papst in seiner Weisheit zu Ihren Anliegen zu sagen hat. Zugegeben, befremdliche für protestantisches Amtsverständnis, aber verkörpert nicht grade der Papst die Sehnsucht nach Einheit auch in unseren Kreisen? Wie dem auch sei, bei allem, was uns auch Mühe gemacht hat, zu verstehen und zu begreifen, war wohl für manche einfach auch die Verbundenheit mit diesen Geschwistern im Glauben zu spüren, weil man wusste, dass auch wenn ihr Glaube und ihre Frömmigkeit sich einen anderen Ausdruck und eine andere Sprache, andere Rituale und andere Vergegenwärtigungen gegeben hat, uns die eine Mitte Jesus Christus eint, uns zusammenruft und versammeln lässt und uns in wieder die Welt hinein, an unsere Plätze und in unsere Verantwortungszusammenhänge, sendet. Göran Schmidt, 26.März 2009

Der sechste Tag, Donnerstag der 26. Februartop

Kloster St. Makarios
Morgens reisten wir von Kairo ab. Wir hatten das Ziel Alexandria. Auf der Wüstenstraße dorthin (ungefähr 92 km von Kairo entfernt in der alt-sketischen Wüste) liegt das koptische Kloster St. Makarios (Wadi El-Natrun).
Dort begrüßte uns ein deutsch-sprachiger Mönch. Er führte uns in die drei Kirchen (Kirche des Heiligen Makarios, Kirche der 49 Märtyrer Mönche und Kirche Abba Skheirun) des Klosters. Wie bei dem Besuch von Moscheen, ist es hier üblich seine Schuhe vor der Kirche auszuziehen.
In dem Kloster werden die Reliquien von einigen Heiligen aufbewahrt. Hier handelt es sich um die Gebeine der drei Makari: St. Makarios der Große, St. Makarios aus Alexandria und Bischof St. Makarios. In der Restaurierungsphase des Klosters wurden auch die geglaubten Gebeine von Elisa dem Propheten und Johannes dem Täufer entdeckt.
Das Kloster wurde 360 n. Chr. vom heiligen Makarios gegründet. Seither ist das Kloster immer von Mönchen bewohnt worden, heute sind es 130. Die meisten haben ein Universitätsstudium abgeschlossen und die verschiedensten Berufe ausgeübt, bevor sie ins Kloster eintraten. Sie waren Agronome, Ärzte, Lehrer, Apotheker, Ingenieure usw. Das Kloster umfasst mehr als 150 Zellen (die Zelle besteht aus einem Arbeits-, Schlaf- und Waschraum und einer Küche), ein großes Refektorium, in dem sich die Mönche einmal am Tag zu einem brüderlichen Agapemahl versammeln, eine neue Bibliothek von beachtenswerter Kapazität, ein großes Gästehaus mit mehreren Empfangsräumen und zahlreichen Einzelzimmern für Exerzitianten und durchreisende Gäste, nicht mitgezählt die vielen anderen Gebäude: Küche, Bäckerei, verschiedene Werkstätten, Landwirtschafts-Gebäude usw. Diese neuen Gebäude nehmen mit 4 ha eine Fläche ein, die sechsmal größer als die des alten Klosters ist. Beachtlich ist auch die Tatsache, dass einer der Kirchentürme zur gleichen Zeit als Wasserturm dient. Die Baudenkmäler wurden restauriert und befestigt. Alle aus neuerer Zeit stammenden und baufälligen Gebäudeteile wurden beseitigt, da sie nur die Restaurierung der historischen Teile verhinderten. Vor allem wurden die Latrinen entfernt, deren Abwässer eine Gefahr für den Bestand der alten Gebäude bedeuteten.
Die landwirtschaftliche Entwicklung Die ägyptische Regierung hat den Mönchen auf deren Wunsch rund um das Kloster 130 ha Wüste zu einem symbolischen Preis zur Verfügung gestellt, um den Wüstenboden zu verbessern, zu bebauen und ein Ausbildungszentrum für Jugendliche zu errichten. Weitere 400 ha hat Präsident Sadat später als Geschenk hinzugefügt, mit dem Ziel, die landwirtschaftlichen Aktivitäten zu fördern. Das Kloster hat diese Aufgabe bewältigt, was vom Präsidenten persönlich anlässlich eines Besuches festgestellt werden konnte.
Berufsausbildung ist in den Bereichen Ackerbau und Agrarindustrie vorgesehen. Daneben sollen weitere technische Ausbildungsgänge angeboten werden. Die dazu nötigen Gebäude stehen bereits einen Kilometer nördlich vom Kloster entfernt. Große Stallungen für das Vieh sind gerade fertiggestellt worden. Das Kloster hofft auf weitere Hilfe und Unterstützung, um auch das Projekt für die Jugend verwirklichen zu können. Hier soll geistliche Tätigkeit und praktische Berufsarbeit eine enge Verbindung eingehen. Das Kloster baut weiterhin landwirtschaftliche Produkte an, die für den lokalen Verbrauch und für die Wirtschaft des Landes als Exportgüter von Bedeutung sind. Das Kloster hat inzwischen zahlreiche und verschiedene Versuche mit neuen Pflanzen, die zum ersten Mal in Ägypten angebaut wurden, durchgeführt.
Kulturell-religiöse Aktivitäten Das Kloster verfügt über eine moderne deutsche Druckmaschine sowie über eine Lichtsetzmaschine. Für Jugendliche und freiwillige Katecheten wird eine monatliche Zeitschrift herausgegeben. Die Predigten werden auf Kassetten aufgenommen und Interessenten zur Verfügung gestellt. Um dem Bedarf unserer Zeit an geistlichen Büchern nachzukommen, wurden im Kloster in den letzten Jahren über 60 Bücher verfasst und gedruckt. Einige davon wurden in andere Sprachen übersetzt und ins Ausland versandt, wo sie auf großes Interesse stoßen. Außerdem werden Zeitschriften, Drucksachen und kulturell-geistliche Bücher mit anderen Klöstern in Europa und Amerika regelmäßig ausgetauscht. Seit zwei Jahren erlernen die Mönche die deutsche Sprache mit Hilfe des Goethe-Instituts in Kairo, sowie die altgriechische und die hebräische Sprache mit Hilfe von Fachlehrern. Gleichzeitig bemühen sich die Mönche, ihre englischen und französischen Sprachkenntnisse zu verbessern.
Der Tageslauf eines Mönchs Es gibt keinen genau festgelegten Tagesplan. Der größte Teil des Tages wird dem Mönch selbst überlassen, zu gestalten, allerdings weckt ein erstes Glockenzeichen um 3 Uhr die Mönche zum persönlichen Gebet. Jeder betet auf seiner Zelle die Psalmen für die Nachtmitte, die Meditationen und persönliche Gebete. Ein zweites Glockenzeichen ruft alle um 4 Uhr in die Kirche zusammen, um gemeinsam in koptischer Sprache das Gotteslob der Nachtmitte zu singen. Dieses Gebet dauert zwei Stunden. Einmal am Tag gibt es eine gemeinsame Mahlzeit. Die Mönche ernähren sich vegetarisch. Sie essen z.B. Brot, Käse, Oliven, Datteln, Feigen, Äpfel, Zitronen usw. Die Abendmahlzeit, eventuelle auch ein Frühstück (für Schwache und Kranke) werden in der Zelle eingenommen.

Katakomben
Die Katakomken, auch „Der Scherbenhügel“ genannt stammen aus dem 1./2. Jahrhundert n. Chr. Aus Sicherheitsgründen mussten die Kameras am Eingang abgegeben werden. Über eine Wendeltreppe stiegen wir zwei Stockwerke runter. Durch das Grundwasser sind die unterirdischen Gänge und Höhlen im Frühling überschwemmt. Ein niedriger Wasserstand ist immer vorhanden, so dass die hinteren Lokuli (Schiebegräber) ausschließlich durch Stege erreicht werden können. Die Lokuli wurden für komplette Familien benutzt und die Särge übereinander geschoben.
Die Gräber wurden 1900 entdeckt. Es wurden diverse Gräber und Knochen gefunden, teilweise von Tieropfern. Die Gräber sind an einem quadratischen Umlauf orientiert. In deren Mitte ist die Hauptgrabkammer. In der Grabkammer sind drei Gräber. Die Wandverziehrungen zeigen sowohl ägyptische als auch römische Jenseitsvorstellungen.
Die Pompeius Säule ist eine gigantische, aus rotem Assuangranit hergestellte Säule mit einer Höhe von ca. 26 Meter. Sie befindet sich im südlichen Teil der Stadt Alexandria, zwischen dem See Mariut und dem Mittelmeer, in der Nähe der Katakomben und des arabischen Friedhofs.
Ihr Durchmesser beträgt an der Basis drei Meter und verjüngt sich nach oben auf etwa zweieinhalb Meter. Sie geht auf das 3. Jahrhundert v. Chr. zurück und ist ein Überbleibsel vom Sarabium-Tempel. Die Säule wurde zum Andenken an Kaiser Diokletian errichtet. Die Pompeius Säule steht in einer Art ummauerten Steinbruch umringt von ein paar Skarabäen und Sphingen. In direkter Nachbarschaft türmen sich die Wohnsiedlungen und nehmen den Zauber der steinigen Zeugen der Geschichte.
Benannt ist die Säule nach Gnaeus Pompeius Magnus (106–48 v.Chr.), über dessen Grab sie errichtet worden sein soll. Als einziges weitgehend unversehrtes Zeugnis der griech.-röm. Antike Alexandriens in situ, gehörte die Pompeiussäule seit dem 18. Jh. zum "Pflichtprogramm" eines jeden Ägyptenreisenden und wird auch in der Literatur erwähnt, so bei Herman Melville in Moby Dick (Kapitel 103, - "Measurement of the Whale's Skeleton" - in dem vermerkt wird, dass ein mittels eines Kranes aufgetürmtes Rückgrat (spine) eines Wales an die Pompeiussäule erinnere).
Das römische Amphitheater in Alexandria, Kom-El Dika ist einzigartig in Ägypten. Es hat für 800 Zuschauer Platz, wobei zusätzlich Zuschauer im Stehen Platz finden konnten. Im Vergleich zu anderen römischen Amphitheatern ist dieses relativ klein. Es eignet sich eher zum Theaterspiel als für Kämpfe, da diese sich hier erschreckend nah vorkommen könnten. Die klassische Ovalform eines römischen Amphitheaters wird hier nicht vorgefunden. Eine Abweichung findet durch die Halbkreisform statt. Im 4. Jh. n. Chr. Wurde das Theater erbaut. Der letzte große Umbau fand im 6. Jh. n. Chr. Statt. Hier wurde die Bühne zu einer einzigen riesigen Diele umgebaut. Das Auditorium wurde auf 13 Sitzreihen verkleinert, welches von einer Kuppel überdacht war. Diese zerfiel zu einem Ruinen Zustand jedoch bald danach durch das große Erdbeben (6. Jh.).
Die Nutzung des Theaters reichte bis in das 7 Jh. n. Chr. (arabische Invasion). Die Überreste wurden in den 60er Jahren des 20. Jh. gefunden. Es ist bis jetzt der einzige Fundus von einem römischen Amphitheater in Alexandria. Laut antikem Bericht soll es aber einst 400 seiner Art in Alexandria selbst gegeben haben.

Bibliothek Alexandria:
Die heutige Bibliothek wurde gemeinsam mit der UNESCO 2002 eröffnet. Der Baustil ist sehr futuristisch geprägt. Ein großer Teil ist unterirdisch angelegt. Als Architekten traten das norwegische Architekturbüro Snøhetta und Hamsa Associates auf. Die Gesamtfläche beträgt 45.000 Quadratmeter; die Baukosten beliefen sich auf 218 Millionen US-Dollar.
Die Bibliothek wurde für maximal 8 Millionen Bände ausgelegt, 2004 sollen es bereits 200.000 gewesen sein. In der Bibliothek von Alexandria befindet sich eine Sicherungskopie der Daten des Internetarchivs, welches Momentaufnahmen vieler Webseiten seit 1996 erstellt. Das Archiv hat eine geschätzte Größe von drei Petabyte und wächst um circa 20 Terabyte pro Monat. Direktor der neuen Bibliothek ist der ägyptische Ökonom Ismail Serageldin, der vorher Professor an der Universität Wageningen und Mitarbeiter der Weltbank war.
Die Bibliothek von Alexandria war schon in der Antike berühmt. Sie wurde bei der caesarischen Invasion Beschädigt, über den Grad der Zerstörung sind keine Fakten bekannt. Die Bibliothek bestand bis in die Spätantike, hat aber nach dem Einzug des Christentums nicht lange Bestand. Es ist unwahrscheinlich, dass die Bibliothek schon 331 v. Chr. Bei der Stadtgründung vorgesehen war. Ihr ursprünglicher Standort wird im nordöstlichen Stadtgebiet, im küstennahen Residenzviertel, vermutet. Das Datum der Zerstörung ist nicht festlegbar. Die Bibliothek wurde von angesehenen Gelehrten geleitet, die zusätzlich die Prinzenausbildung beaufsichtigten. Erster Bibliotheksleiter war Demetrios von Phaleron.
Die Bibliothek nahm Bände und Werke aller Völker und Sprachen. Sie wurden jedoch sämtlich ins griechische übersetzt. Die Überlieferung, dass die griechische Übersetzung des Alten Testaments, die Septuaginta, von 72 Gelehrten in 72 Tagen für Alexandria angefertigt worden sei, gilt allerdings als legendär
Es ist nicht endgültig erforscht, wie die Bibliotheksarbeit exakt von Statten ging. Klar ist, dass Neue Werke zunächst in Magazinen gesammelt und katalogisiert worden sind. Hier war die Herkunft des Textes entscheidend. Zu dem Skriptorium in dem übersetzt und katalogisiert wurde, wird eine Papyruswerkstatt vermutet, um beschädigte Schriften zu rekonstruieren. Kallimachos, ein bedeutender Mann am alexandrinischen Königshof hat einen Katalog entwickelt, der nicht der Suche der Bücher galt, sondern eine vollständige Bestandaufnahme der damaligen griechischen Literatur bot. Kategorisiert wurde in Textgattungen wie Lyrik, Drama etc. Die Autoren waren in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt.

Der siebte Tag, Freitag, der 27. Februartop

Nach einer Stunde mehr Schlaf als die Tage zuvor und einem guten Frühstück im Hotel Regency mit Meerblick, verließen wir Alexandria um 9:30 Uhr. Die Fahrt ging Richtung Osten, an der Meeresküste entlang bis nach Rosette. Dies ist der erste Tag, der uns mit Regengüssen begrüßte.

Während der Busfahrt hörten wir von Moustafa eine Geschichte von „Salomo und die Geschichte des Lebens“ und weitere Ausführungen über Unterägypten.
So erfuhren wir, dass die vielen Dattelpalmen rechts und links der Straße den Namen der Region ausmachen: die Region der Millionen Palmen. Datteln und Oliven gehören zu den ältesten „Fruchtbäumen“. Die besten Datteln gibt es in Medina, wo es über 100 verschiedene Sorten gibt. In Ägypten werden ca. 15 Dattelarten hauptsächlich in Rosette und in den Oasen angebaut. Das besondere an Datteln: die Palmen sind pflegeleicht und benötigen nur im ersten Jahr viel Wasser. Nach ungefähr fünf Jahren tragen die Dattelpalmen dann das erste Mal Früchte. Bis zu 50 kg Datteln kann der Ertrag sein. An der Palme ist so gut wie alles verwendbar: Die Palmenrispen werden zuerst getrocknet, anschließend zurecht geschnitten dienen dann der Möbelherstellung. Die Reste werden als Besen verwendet.
Angekommen in Rosette regnete es immer noch und somit änderten wir das Programm und fuhren mit dem Bus nach einer kurzen Pause weiter zu der Nilmündung.
Rosette, arabisch auch Rashid genannt, ist eine ehemalige Hafenstadt im Regierungsbezirk Buhayrah, 65 km östlich von Alexandria. Mit ihren etwa 250.000 Einwohnern ist Rosette eine normal große ägyptische Stadt. In Ägypten zählen alle Städte unter einer halben Millionen Einwohner als klein.
Ihre vorteilhafte Lage am westlichen Mündungsarm des Nils und somit in der Nähe zum Mittelmeer, verhalf der Stadt seit ihrer Gründung im 9. Jahrhundert zu einer bedeutenden Entwicklung. Seit dem 16. Jahrhundert ist Rosette der wichtigste Hafen und das bedeutendste Mittelmeer-Handelszentrum Ägyptens gewesen. Durch den Ausbau des Hafens in Alexandria verlor Rosette im 19. Jahrhundert jedoch diese Bedeutung und gab ihren Rang der bedeutendsten Mittelmeer-Hafenstadt Ägyptens an Alexandria ab.
Nördlich von Rosette und östlich von der Festung Qait Bey, wo der berühmte Stein von Rosetta, der mit der dreisprachigen Inschrift den Durchbruch bei der Entzifferung der altägyptischen Hieroglyphen schaffte, gefunden wurde, mündet der westliche Nilarm in das Mittelmeer. Hier befindet sich die Stelle, an dem das frische Nilwasser mit dem salzigen Meereswasser zusammenfließt. Durch den Anstieg des Meeresspiegels überschwemmt an dieser Stelle der Nil das Ufer jährlich um sechs Meter. Um diesem vorzubeugen, wurden bereits Steine an dem Nilufer platziert, die die Wellen frühzeitig brechen sollen. Der Anstieg des Meeresspiegels, der vom anhaltenden Abschmelzen der Pole verursacht wird, kann für das Nildelta in sehr kurzer Zeit fatale Folgen haben. So kann schon ein Anstieg des Meeres von weniger als einem Meter vielen Millionen Menschen ihren Lebensraum kosten.
Zurück in Rosette begaben wir uns auf einen Stadtspaziergang, um die Regenpause auszunutzen. Auf dem Weg durch die Straßen entdeckte man immer wieder Bürgerhäuser aus dem 16. bis 19. Jahrhundert, die noch heute von dem Reichtum der Stadt künden. Zahlreiche zumeist drei-, seltener vierstöckige Bürgerhäuser mit ihrem charakteristischen Ziegelmauerwerk aus roten und schwarzen Ziegeln verändern das Stadtbild. Die Fenster täuschen über die Größe der Häuser hinweg, nicht selten befinden sich zwei Fensterreihen auf einer Etage. Der Grundriss der Häuser und ihr Aufbau sind ähnlich: Das Erdgeschoss wurde für den Handel, für Brunnen, Ställe und Speicher benutzt. Das zweite Geschoss war den Männern vorbehalten, hier gab es den Empfangsraum und die Küche, während die dritte Etage den Frauen vorbehalten war. Hier befand sich auch das Bad (Hammam). Falls eine vierte Etage vorhanden war, so befanden sie in ihre die Schlafräume. Die Fenster wurden häufig mit Maschrabîyen (hölzerne Fensterziergitter), im 19. Jahrhundert auch mit Eisengittern, versehen. Heutzutage sind diese Häuser verlassen, weil sie nicht mehr zeitgemäß oder komfortabel erscheinen, und verfallen. 1951 kaufte deshalb die ägyptische Altertümerverwaltung 22 Häuser auf. Sie werden seit 1978 restauriert, allerdings dauern die Restaurationsarbeiten heute noch an, weil zum Teil die Fehler der früheren Restaurationen beseitigt werden müssen. Die meisten Häuser sind heute im Inneren leer, so dass sie nur von außen besichtigt werden können.

Das Stadtbild ist auch sehr geprägt von Moscheen. Viele Moscheen existieren schon seit Alter her oder befinden sich an der Stelle früherer Moscheen. Unser Weg durch die überschwemmten Straßen führte zu einer der ältesten Moscheen, die Zaghlul-Moschee. Sie ist die größte Moschee der Altstadt und heutzutage teilweise zerstörte, so auch der Arkadenumgang um den Moscheehof. Die Moschee wurde 1577 errichtet und erinnert an Zaghlûl, einem Mamelucken unter dem Prinzen Harûn. Sie vereinigt zwei ältere Moscheen und beeindruckt durch den Mihrab, den Minbar und den 300 wieder verwendeten Säulen. Diese Säulen verschiedener Epochen und Gebäuden sind schlecht restauriert und mit unterschiedlichem Maße angepasst. Bildhaft zeigt diese Moschee, dass altes, antikes Baumaterial zum Bau von Klostern und Moscheen zur Verfügung gestellt wurde.
Erweitert wird die kunstvolle einmalige Architekturansammlung durch das Azouz Hammam, östlich der Zaghlul-Moschee gelegen. Dies Bad wurde im Osmanischen Reich im 16. Jahrhundert errichtet, nachdem Hammam durch die Türken bekannt wurde. Der Hauptraum besteht aus einer runden Kuppelhalle mit kleinen bunten Fenstern. Von diesem als Warteraum genutzten Raum geht es in kleinere Räume und Waschnischen. Dort befinden sich Waschbecken und Badewannen. Bis 1980 in Betrieb wurde dieses Hammam drei Tage die Woche von Männern, drei Tage von Frauen genutzt.
Eine weitere Sehenswürdigkeit ist die Mühle des Abu Schahin. Sie wurde ebenso im Osmanischen Reich, also im 17. bis 19. Jahrhundert von Uthmân Aghâ a_-_ôp_î errichtet und ermöglichte das Mahlen von Mehl, Reis, Mais etc.. Die Mühlsteine wurden von Pferden angetrieben, deren Ställe sich im hinteren Teil der Mühle befanden.

Heute ist die Stadt Zentrum der Nahrungsmittel-, Tabakwaren- und Textilindustrie. Die „Stadt der Millionen Palmen“ ist Lieferant von Datteln und die Reismühlen am Ortseingang verarbeiten den Reis aus weiten Teilen des Nildeltas. Die ehemals hier ansässige Fischindustrie ist mit dem Bau des Assuan-Staudamms merklich zurückgegangen.

Eine vergleichbare exponierte Lage wie Rosette hat die Stadt Damietta am zweiten Nilarm. Heute gibt es nur noch diese zwei Mündungsarme: den westlichen Rosette-Arm und den östlichen Damietta-Arm. Sie wurden nach den Städten, die an ihren Mündungen liegen, benannt. Zur Römerzeit gab es sieben Hauptarme. Von Westen nach Osten waren es der Kanobische Arm, Bolbitinische oder Saitische Arm, der Sebennytischen Arm, der Bukolische oder Phatni(ti)sche Arm, der Mendesische Arm, der Tanitische oder Sethroitische Arm und der Pelusische Arm. Die Verlandung setzte bereits in der Antike ein und war in islamischer Zeit großteils abgeschlossen.

Das Mündungsdelta des Nils formt, begrenzt durch den Rosetta- und den Damietta-Arm, das Nildelta. Das Nildelta bildet das wohl bekannteste Mündungsdelta, weil es auch die Bezeichnung "Delta" prägte, da es die charakteristische, aus dem griechischen Buchstaben Delta (¢) abgeleitete Dreiecksform aufweist. Dieses Flussdelta befindet sich in Unterägypten direkt nördlich von Kairo an der Küste des südöstlichen Mittelmeers. Der Nil legt vom Viktoriasee bis zur Mündung 5.588km zurück. Die nördlichste Breite des Nildeltas beträgt ungefähr 140 km und die gesamte Fläche 24.000 km_. Diese Fläche gilt als fruchtbarste und höchst besiedelte Region Nordafrikas mit etwa 60 Millionen Einwohnern. Durch den Nil ist eine gute Bewässerung der Felder möglich und jährliches Hochwasser mit der damit verbundenen Schlammflut lieferte viele Jahre lang fruchtbare Nährstoffe für den Boden. Es ist bekannt, dass das Nildelta ein Werk des Nils ist und man fragt sich „Was wäre Ägypten ohne den Nil?“. Jedoch wird die Fruchtbarkeit durch den Assuan-Staudamm vermindert. Er wurde von 1960 bis 1971 am Nassersee errichtet und hält die Schwebstoffe und Sedimente zurück. Das lässt mit fortschreitender Nutzung nicht nur die Fruchtbarkeit der Felder in der 5 bis 20km breiten Niederung unterhalb des Damms nach, sondern er ist auch der Grund, warum sich das Nildelta nicht mehr weiter ins Meer vorschiebt, sondern durch die Brandung abgetragen wird.

Das Nildelta teilt sich in neun Bezirke mit seinen jeweiligen Hauptstädten. Im Westen liegen Al Bahaira mit Damanhur, Al Gharbiy mit Tanta und Port Said. Im Osten sind AL- Daqahilya mit Al Mansura, Ismailiya und Al Scharqiya mit Al Zaqaziq. Im Zentrum befinden sich Kafr El Scheich, Al Minufiya mit Schibin Al Kawm und Al Qalyubiya mit Banha.
Unsere Reise Richtung Süden setzte sich durch Al Gharbiy fort. Durchzogen war die Landschaft von kleinen Brücken, da Nilarme das Gebiet durchkreuzen. Links und rechts der Straße waren Felder zusehen, im Hintergrund Dörfer. Selten erschienen Fabriken, denn neben der wenigen Industrie, wie beispielsweise eine Ziegelei, besteht der Großteil der Beschäftigung aus Landwirtschaft. Seit der Pharaonenzeit wird intensiv angebaut und die Nähe zum Nil ausgenutzt. Ein unterirdisches Bewässerungswesen erleichtert die Arbeit auf dem Feld, wenn auch die restliche Arbeit meist ohne Maschinen vollbracht wird, da es keine Großgrundbesitzer gibt, die sich diese leisten und halten können. Es besteht eher ein Familiengeschäft, bei dem die Männer, Frauen und Söhne die Äcker bewirtschaften. Auch unterstützen Tagelöhner und Maultiere die Arbeit – dabei sei gesagt, dass Wasserbüffel besser als Rinder sind. Seit 1971 der Assuanstaudamm gebaut wurde, muss anderer Dünger für die Äcker benutzt werden, da es keine Nilüberschwemmungen mehr gibt. Es wird spekuliert, dass in den nächsten 50 Jahren der Staudamm durch die Ansammlung des Schlamms voll von Nildeltaschlamm sein wird und es einen Abbautransport zur Wiederverwertung benötigen wird.
Der Arbeitstag eines Bauern begann bis in die 80ger, da sie keinen Strom hatten (heute teilweise immer noch), mit dem Sonnenaufgang und endet mit dem Sonnenuntergang. Die gute Erde und das ebenso gute Wetter ermöglichen drei bis vier Ernten pro Jahr. Nach einer Ernte haben die Landwirte die Wahl: entweder sie gehen selbst auf den Markt und verkaufen ihre Produkte, oder aber sie lassen ihren Ertrag direkt von Händlern abholen, durch das sie jedoch finanzielle Verluste erleiden. Nur Bauer zu sein lohnt sich nicht. Oft ist es der zweite Beruf, sodass sie z.B. vormittags als Beamte tätig sind und am Nachmittag auf dem Feld ihren Lebensunterhalt erwirtschaften. Lange Zeit haben die Bauern an den Traditionen und Verhalten der Großeltern festgehalten und haben ihre Anbauprodukte übernommen. Jedoch hat sich ihr Angebot nun auf vielfältigere Produkte erweitert. Apfel, Mango, Zitrusfrüchte wie Orangen, Zitronen, Mandarinen, aber auch Pflaumen, Trauben, Feigen, Wassermelone, Honigmelone, Reis, Getreide, Weizen, Klee (als Futter für die Tiere), Salate, Zwiebeln, Baumwolle, Süsskartoffel, Blumenkohl, Wirsing, Zuckerrohr, Artischocken, Mais, Paprika bauen sie an. Aber der Ertrag der Ernte reicht nicht für den Verzehr der Ägypter aus, sodass sie die besten Erzeugnisse exportieren und anderes Obst und Gemüse importieren.

Tiere werden in Ägypten anders behandelt und wertgeschätzt als in Europa. Katzen sind zwar beliebter als Hunde, da diese als unrein gelten und lediglich als Wachhunde eingesetzt werden. Jedoch gibt es generell kaum Haustiere, da die Ägypter keine Zeit und kein Geld für ihre Haltung haben. Nur wenn sie von Nutzen sind, werden sie gehalten und in sie investiert, so wie z.B. die Freunde des Bauers: Kühe, Wasserbüffel, Esel, teils andere Lasttiere. Kamele sind selten im Nildelta anzutreffen, diese befinden sich eher in Oberägypten und in den Wüstenbereichen. Gehandelt um Kamele wird auf Kamelmärkten in der Nähe von Assuan und bei Kairo.

Unsere Reise endete an diesem Tag in Kairo um 18:30. Nach einem ausgiebigen Abendessen und einer kleinen Geburtstagsfeier wurden die Abendstunden unterschiedlich gestaltet. Ob letzte Souvenirs kaufen auf dem Khan El Khalili Basar, einer Fahrt auf dem Nil oder einem leckeren Tee im Kairo-Tower – jeder genoss seinen letzten Abend in Ägypten auf unterschiedliche Art.
Protokollanten: Annika Fischer, Ann-Christin Casimir

Der achte Tag, Samstag der 28. Februartop

Im Süden, dem Zentrum Alt Kairos: Das Koptische Viertel
Am Nachmittag fuhren wir in das Koptische Viertel Kairos um uns dort einige interessante Gebäude anzusehen. Im Jahr 40 soll der Evangelist Markus begonnen haben, Ägypten zu christianisieren. In dieser Zeit wurden erste christliche Gemeinden gegründet und Kirchen gebaut. Viele dieser Kirchen sind heute noch im Koptischen Viertel Kairos zu finden.

Kirche El Muallaka, die Hängende Kirche
Ihre Bezeichnung verdankt die Hängende Kirche ihrer Lage. Sie wurde über dem engen Innenhof des Südwesttores eines römischen Kastells gebaut und macht daher optisch den Eindruck, sie würde hängen.
Erbaut wurde sie vermutlich im 5. Jahrhundert und der Jungfrau Maria geweiht. Im 9. Jahrhundert wurde sie zerstört und im 11. Jahrhundert wieder aufgebaut.
Die hängende Kirche gilt als eines der ältesten und gleichzeitig auch schönsten und stimmungsvollsten christlichen Gotteshäusern Ägyptens.
Sehr interessant waren die vielen Symbole, die die koptischen Christen verwenden. Zum Beispiel das bewegte Kreuz, oder das Kreuz mit drei, beziehungsweise zwei Spitzen an jedem Ende. Die drei Spitzen an jedem Ende des Kreuzes symbolisieren die Trinität und die zwei Spitzen sind ein Symbol für Jesus Christus als wahrer Gott und wahrer Mensch.

St. Sergius Kirche
Die St. Sergius Kirche ist die älteste Kirche Ägyptens. Sie wurde im 4. Jahrhundert erbaut. Nachdem sie im 8. Jahrhundert zerstört wurde, baute man sie zwischen dem 10. und 11. Jahrhundert wieder auf.
Beeindruckend ist die in der Mitte der Kirche errichtete Kanzel aus Marmor, hinter der sich eine sehr schön ausgestaltete Ikonenwand befindet, die Jesus Geburt darstellt.
In der Krypta dieser Kirche sollen sich Maria, Josef und Jesus auf ihrer Flucht aus Ägypten versteckt haben.
Das Kirchengebäude ist eine dreischiffige Basilika, was man an den unterschiedlich gestalteten Abteilungen sehen kann.
Der Originalaltar der St. Sergius Kirche ist heute im Koptischen Museum zu finden.

Ben – Ezra Synagoge
Die Ben Ezra Synagoge befindet sich in der Nähe der Hängenden Kirche.
Ursprüngliche war die Synagoge eine christliche Kirche. Doch 882 mussten die Kopten ihre Kirche auf Grund von Steuerangelegenheiten an Juden übergeben. Die Kirche wurde an den Jerusalemer Abraham Ben Ezra verkauft, der sie zu einer Synagoge machte und ihr Namensgeber wurde. Die Synagoge ist eine zweistöckige Basilika, in der Männer und Frauen getrennt sitzen. Auch in der Ben Ezra Synagoge befindet sich in der Mitte eine Kanzel aus Marmor. Die Wände sind mit floralen und geometrischen Mustern verziert.
Im Laufe der Jahre wurde die Synagoge immer wieder renoviert. Das Gebäude, wie es heute ist, wurde 1892 fertiggestellt.
Nach diesem inhaltlich abwechslungsreichen und spannenden Tag wurden wir abends an den Flughafen in Kairo gebracht und flogen zurück nach Deutschland.
von Miriam Ade

 

Chephren-Pyramide mit Sphinx
Chephren-Pyramide mit Sphinx


Alexandria: Bibliotheca
Alexandria: Bibliotheca


Sinai: Katharinenkloster
Sinai: Katharinenkloster


Kairo: Nationalmuseum
Kairo: Nationalmuseum


Mosesberg: Sonnenaufgang
Mosesberg: Sonnenaufgang


Alexandria: Bibliotheca
Alexandria: Bibliotheca


Kairo: Markt
Kairo: Markt


Sinai: Katharinenkloster
Sinai: Katharinenkloster


Kairo: Ibn Tulun-Moschee
Kairo: Ibn Tulun-Moschee


Zitadelle: Sultan Al Nasir-Moschee
Zitadelle: Sultan Al Nasir-Moschee


Alexandria
Alexandria


Kairo: Al Hussein-Moschee
Kairo: Al Hussein-Moschee


Zitadelle: Mohammed Ali-Moschee
Zitadelle: Mohammed Ali-Moschee


Alexandria:  El Mursi Abu Al Abbas-Moschee
Alexandria: El Mursi Abu Al Abbas-Moschee


Altkairo: Hängende Kirche
Altkairo: Hängende Kirche


Kairo: Sultan Hassan-Moschee
Kairo: Sultan Hassan-Moschee


Kairo: Kairo-Turm
Kairo: Kairo-Turm


Kairo: Al Azhar-Moschee
Kairo: Al Azhar-Moschee

 

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